Querida Amazonia I: Der Preis für die Lockerung des Zölibats

4. April 2020

Über die zentrale innerkirchliche Botschaft des nachsynodalen päpstlichen Schreibens Querida Amazonia vom 2.2.2020 wird viel gerätselt. Dabei ist es ganz einfach: Franziskus will seinen Heimatkontinent retten, insbesondere das besonders bedrohte Amazonien. Innerkirchlich soll die Rettung vor allem durch die Lockerung des Zölibats erfolgen. Das nachsynodale päpstliche Schweigen zum machtvollen Beschluss der Amazonas-Synode vom Herbst 2019, viri probati zukünftig zu Priestern zu weihen, kann nur als konkludente Zustimmung zur geforderten Lockerung des Zölibats gedeutet werden.

Aber für sein Verlassen der bisherigen kirchlichen Lehre musste Franziskus den Traditionalisten einen hohen Preis zahlen: ein explizites Zugeständnis an ihre konservativen Positionen. Aber welche Reformposition sollte er dafür räumen? Die Rechte der Homosexuellen? Die der Frauen? Oder die der Missbrauchsopfer? Er entschied sich dafür, die Angelegenheit der Frauen – man könnte sagen – zu opfern, aus welchen Gründen auch immer. Ohne dass die Beratungen und Beschlüsse der Amazonas-Synode ihn dazu veranlasst hätten, bestätigte er in Querida Amazonia (Nr. 100-103) explizit den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt.

Seine explizite Bestätigung des Ausschlusses der Frauen vom Priesteramt haben die Traditionalisten als ausreichenden Kniefall vor der traditionellen Lehre anerkannt: Kardinal Müller hat Franziskus für Querida Amazonia öffentlich gelobt. Dafür hat sich der Papst Mitte Februar in einem persönlichen Antwortbrief bei ihm bedankt (www.katholisch.de).