Es werden immer mehr: 282 katholische Priesterinnen weltweit

7. September 2021

„Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann“ bestimmt canon 1024 des Corpus Iuris Canonici (CIC) der römisch-katholischen Kirche. Trotz dieses kirchenrechtlichen Verbotes wurden 7 Frauen aus Österreich und Deutschland ordnungsgemäss zu Diakoninnen und 2002 zu römisch-katholischen Priesterinnen geweiht. Das hat weitere Frauen ermutigt.

Aus einer aktuellen Erhebung der Organisation Roman Catholic Women Priests (RCWP) vom 15.8.2021 ergibt sich derzeit eine Zahl von 282 römisch-katholischen Priesterinnen weltweit. Dies schliesst 18 Bischöfinnen mit ein, die weitere Frauen zu Priesterinnen weihen können und dies auch tun. Dazu kommen noch die Diakoninnen und die Kandidatinnen in der Priesterausbildung.

Römisch-katholische Priesterinnen in den USA

Die in den USA beheimatete RCWP ist die führende globale Organisation, in der römisch-katholische Priesterinnen organisiert sind. Darüber hinaus gibt es weitere Priesterinnen unbekannter Zahl, die nicht organisiert sind oder sich aus Angst vor Sanktionen nicht als geweihte Priesterinnen zu erkennen geben.

Der Länderschwerpunkt römisch-katholischer Priesterinnen liegt in den USA mit etwa 140 Priesterinnen. In Deutschland gibt es derzeit 2 Bischöfinnen, 1 Priesterin und 1 Diakonin (weitere Informationen und Dokumente unter: Virtuelle Dioezese).

Wirksamkeit der Weihe

Die römische Kurie betrachtet die Weihe von Priesterinnen als „Vortäuschung“ und damit als nicht wirksam. Für ihre Gültigkeit fehle an der Voraussetzung des richtigen Geschlechts. Aber so einfach ist es nicht.

Die Weihe wird durch das Weihegebet und die Handauflegung des Bischofs, der in der apostolischen Nachfolge Christi steht, gespendet. Sie ist unwiderruflich. Sie verleiht dem Geweihten den „character indelebilis“, ein untilgbares Prägemal. Dieses unauslöschliche Mal verbindet den Geweihten ein Leben lang mit Gott.

Priesterinnenweihe durch römisch-katholische Bischöfinnen 2006 in den USA

Aus der Bibel ergibt sich allerdings keine Geschlechterbeschränkung für das Priesteramt, wie die päpstliche Bibelkommission 1976 festgestellt hat. Vielmehr enthält Gal. 3, 26-29 eine eindeutig antidiskriminierende Wertung. Diese macht sich auch das Kirchenrecht zu eigen, wonach „unter allen Gläubigen eine wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit besteht“ (can. 208 CIC).

Auch das sakramentale Grundverständnis des CIC steht der Frauenweihe nicht entgegen (can. 849: Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten).

Auf dieser Grundlage erachtet eine zunehmende Zahl von Theologen die Weihe von Frauen als gültige apostolische Sukzession, die lediglich gesetzteswidrig ist, aber nicht unwirksam. (nach kanonischem Recht: valide, sed illicite).

Römische Sanktionen

Die ersten 7 Priesterinnen wurden, nachdem sie abgelehnt hatten, ihr Tun zu bereuen, von der römischen Glaubenskongregation unter der Leitung von Kardinal Ratzinger Ende 2002 exkommuniziert. Diese sog. Spruchexkommnunikation traf auch die weihenden Bischöfe, soweit sie bekannt waren.

Gleiches geschah mit den weiteren Priesterinnen, soweit ihre Weihe und ihre Identität bekannt wurden. Das Exkommunikationsverfahren fand jeweils ohne persönliche Anhörung und ohne Rechtsbeistand statt und wird daher zu Recht kritisiert.

Um auch diejenigen exkommunizieren zu können, die unerkannt weihten oder geweiht wurden, wurde das Kirchenrecht angepasst. Die Exkommunikation tritt seitdem automatisch mit dem „Vortäuschen“ der Weihe ein (sog. Tatexkommunikation). Mit der Reform des Kirchenstrafrechts vom 8.12.2021 wird dies im neuen canon 1379 § 3 CIC geregelt.

Die Exkommunikation trifft sowohl die Weihenden als auch die Geweihten. Mit Nelson Mandela kann man feststellen: „It is an unjust punishment for breaking an unjust law“ (es ist eine ungerechte Strafe für das Brechen eines ungerechten Gesetztes).

Übrigens zahlen die exkommunizierten Priesterinnen in Deutschland und Österreich weiterhin Kirchensteuer an ihr Bistum. Damit drängt sich die Frage auf, ob die Kirche die von ihr selbst vorgenommene Exkommunikation wirklich ernst nimmt.

Erosion des Frauenweiheverbots

Auch das Frauenweiheverbot selbst scheint mittlerweile zu erodieren. Dies zeigt nicht nur die schiere Zahl der contra legem geweihten Priesterinnen, sondern auch das Verhalten der Kirche.

So wurde eine zur Diakonin geweihte Frau nicht exkommuniziert und darf weiter als katholische Religionslehrerin unterrichten. Offensichtlich werden Diakoninnen derzeit geduldet. Vermutlich ist dies eine Folge der Differenzierung in Ordinatio Sacerdotalis, wo nur auf das Priesteramt abgestellt wird, und der aktuellen vatikanischen Befassung mit dem Frauendiakonat.

Ohne Sanktionen blieb auch der öffentliche Auftritt ein Bischöfin auf dem Internationalen Eucharistischen Kongress in Budapest 2021, an dem auch der Papst teilnahm, den diese Bilder zeigen.

Auch im täglichen Gemeindeleben ergeben sich für die Priesterinnen keine nennenswerten Änderungen in Folge ihrer Weihe. In ihren Pfarreien sind sie – trotz ihrer Exkommunikation – akzeptiert und empfangen die Sakramente. Beispielsweise wird ihnen von männlichen Priester-Kollegen nicht die Kommunion verweigert. Und sie erhalten im Falle ihres Todes ein würdiges Begräbnis unter Beteiligung eines katholischen Priesters.

Einschränkungen…

Einschränkungen unterliegen die Priesterinnen in Deutschland und Österreich jedoch bei ihrer eigenen priesterlichen Tätigkeit. Sakramente, insbesondere in der Feier der heiligen Messe (Eucharistie), können sie nur eingeschränkt spenden. Gottesdienste scheitern daran, dass ihnen häufig keine Kirche und kein Altar zu Verfügung stehen. Andere christliche Religionsgemeinschaften stellen allerdings immer wieder Kirchen bereit, damit römisch-katholische Priesterinnen öffentlich die heilige Messe zelebrieren können.

Eine Besonderheit gilt für diejenigen Gottesdienste, in denen die Weihe der Frauen erfolgt. Sie werden – teilweise auch zum Schutz des weihenden Bischofs – im Verborgenen und im kleinen Kreis abgehalten. Diese Weihen werden daher auch als Katakombenweihen bezeichnet.

Prohibitiv wirkt sich darüber hinaus das Kirchensteuersystem auf Bistumsebene aus. Es verleiht den Bischöfen ein starkes Druckmittel. Pastoralreferentinnen oder andere kirchliche Mitarbeiterinnen verlieren ihre Anstellung, Religionslehrerinnen ihre Lehrbefugnis (missio), wenn ihre Weihe zu Priesterin bekannt wird. Dies schreckt immer wieder Frauen ab, ihrer Berufung zu folgen.

Das Wirken von Priesterinnen ist somit in der Öffentlichkeit bisher nur eingeschränkt sichtbar.

… und Lichtblicke

Besser ist die Situation in den USA, wo römisch-katholische Priesterinnen auch Pfarreien leiten. Als Pfarrerinnen sind sie dort fester und zentraler Bestandteil des Gemeindelebens. Sie werden – gerade auch aufgrund ihres Geschlechts – als Bereicherung empfunden.

Die günstige Situation in den USA resultiert aus der ökonomischen Unabhängigkeit der Priesterinnen dort, die direkt von ihren Gemeinden finanziert werden. Auch in deutschsprachigen Ländern fehlt es nicht an Berufungen. Mehr und mehr bekennen sich Frauen zu ihren Berufungen, selbst wenn sie sich angesichts drohender kirchlicher Sanktionen nicht zur Diakonin und insbesondere nicht zur Priesterin weihen lassen.

Hinter den Kulissen tut sich aber auch in Europa einiges, um das Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche weiter zu fördern. So ist aktuell die Einrichtung einer Personalprälatur geplant. Dieses Video gibt dazu einen kurzen Einblick.

Und mittlerweile gibt es eine römisch-katholische Gemeinde in einer deutschsprachigen Grossstadt, die eine Priesterin im Seelsorgeteam hat. Zur Freude der Gläubigen stehen dort regelmässig eine Priesterin und ein Priester hinter dem Altar, die zusammen die heilige Messe zelebrieren.

Wie geht es weiter?

Viele Wege führen nach Rom. Und die seit 20 Jahren übliche Praxis der Frauenweihe contra legem ist einer davon, vielleicht sogar einer der wichtigsten. Sie sorgt dafür, dass Priesterinnen auch in der römisch-katholischen Kirche zur Selbstverständlichkeit gehören. Die Realität ist entscheidend, nicht die Legalität.

Schliesslich gilt: „Eine dem geltenden kanonischen Recht widersprechende Gewohnheit erlangt dann die Kraft eines Gesetzes, wenn sie rechtmäßig (also gem. göttlichem Recht) 30 ununterbrochene und volle Jahre hindurch geübt wurde“ (can. 26 CIC). 2032 ist die Frauenweihe also auch ohne Korrektur des canon 1024 legal.

Trotzdem hoffen wir auf eine offizielle Legalisierung der praktizierten Frauenweihen – wie bei den Messdienerinnen. Das war ein gutes Vorbild für das Erringen der Gleichstellung in der Kirche. Natürlich ist die Legalisierung der Frauenweihe deutlich anspruchsvoller, insbesondere nach der Basta-Theologie von Ordinatio sacerdotalis. Aber selbst die Kirche wächst mit ihren Herausforderungen…