Gerechtigkeit ist das Fundament

Wie konnte die katholische Kirche, die über Jahrhunderte die Selbstbestimmung der Frau mehr als andere Kulturen und Religionen betonte, bei der internen Gleichstellung so in die Defensive geraten?

Vertreter des Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Ziel dieser Webseite ist es, die Durchsetzung von Gerechtigkeit innerhalb der katholischen Kirche zu fordern und zu fördern.

Sie ist nicht gegeben, da Frauen vom Sakrament der Weihe (Frauenordination) und damit insbesondere vom Priesteramt ausgeschlossen sind. Die Weihe ist – zugleich mit den höheren Leitungsämtern – immer noch ausschliesslich Männern vorbehalten.

Die weiteren Ausführungen setzen sich daher mit der Frage auseinander, warum ohne Frauenweihe die katholische Kirche die Frauen diskriminiert und die Frauenweihe infolgedessen notwendig und letztlich unvermeidlich ist. Und sie skizzieren die Weg-Etappen bis zum ersten weiblichen Pontifikat, mit dem die Debatte um die Frauenweihe erst abgeschlossen sein wird.

Wie die Diskussion um die Frauenweihe kirchenpolitisch einzuordnen ist, soll folgende Vorbemerkung verdeutlichen.

Schmerzhafte Gerechtigkeitslücke und keine Strukturfrage

Den Befürwortern der Frauenweihe wird häufig vorgeworfen, dass dieses Thema nur eine Strukturfrage sei und die Diskussion somit für eine echte Erneuerung der Kirche zu kurz greife.

Interessanterweise wird dieser Vorwurf häufig von denjenigen erhoben, die selbst die Struktur der Kirche ausmachen. Es scheint fast so, als dass sie damit eine zentrale Kategorie ihres eigenen Denkens ungewollt auf die Befürworter der Frauenweihe projezieren, die Machtorientierung. Denn Machtfragen sind Strukturfragen. Aber sie irren damit sehr. Es geht den Befürwortern der Frauenweihe nicht vorrangig um Macht und Strukturen, sondern um einen zutiefst jesuanisches Motiv: Es geht schlicht um Gerechtigkeit. Gerechtigkeit aber ist keine Strukturfrage.

Die Ungleichbehandlung der Frauen durch Benachteiligung bei der Weihe wird nicht nur zunehmend als ungerecht empfunden. Sie ist auch objektiv ungerecht und diskriminierend. Sie bildet eine schmerzhafte Gerechtigkeitslücke. Solange diese besteht, kann die Glaubenskrise nicht geheilt werden, sondern wird sich verstärken. Denn ohne innere Gerechtigkeit fehlt der Kirche das belastbare Fundament, ihre Glaubwürdigkeit. Jeder Versuch einer Erneuerung durch Evangelisierung ist auf Sand gebaut. Er ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, die Kräfte sind sinnlos vertan.

Insofern hat sich Benedikt XVI. treffend auf Hildegard von Bingen bezogen, als er 2012 anlässlich ihrer Heiligsprechung sagte:

Sie erinnerte daran, dass eine wahre Erneuerung der kirchlichen Gemeinschaft nicht aus der Änderung von Strukturen erwachsen könne, sondern nur aus einem ernsthaften Geist der Buße und einem mühevollen Weg der Umkehr.