Querida Amazonia III: Päpstlicher Reduktionismus

7. Mai 2020

Der Reduktionismus gilt traditionell in der katholischen Kirche als eine schwere intellektuelle Verfehlung. Er wird immer wieder Gegnern kirchlicher Positionen vorgeworfen.

Auch Papst Franziskus erhebt im nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia vom Februar 2020 gegenüber den Befürwortern der Frauenweihe diesen Vorwurf. Er warnt davor, die Bedeutung der Frauen für die Kirche auf die strukturelle Frage der Weiheberechtigung zu reduzieren. Dies sei ein unzulässiger Reduktionismus und führe zu einer Verarmung des Frauenbildes (QA Nr. 100).

Bei aller Wertschätzung für das mutige Engagement von Papst Franziskus für die notwendige Öffnung der Kirche: Bei seiner Argumentation unterlaufen ihm zwei gravierende Fehler. Zum einen ist seine Kritik unzutreffend und läuft daher ins Leere. Zum anderen tut der Papst selbst das, was er anderen vorwirft, er denkt reduktionistisch.

Die unzutreffende Kritik des Papstes

Unzutreffend ist der päpstliche Vorwurf, die Befürworter der Frauenweihe würden die Bedeutung der Frau auf das Weiheamt reduzieren. Gerade das tun sie nämlich nicht. Sie wollen die möglichen Rollen der Frau um das Weiheamt erweitern. Die Frauen sollen nicht nur ihre angestammten Aufgaben ausüben können, sondern zukünftig – wie Männer – auch als Priester wirken können. Das ist keine „Verarmung“, wie Franziskus meint (QA Nr. 100), sondern eine Bereicherung. Mit der Frauenweihe könnte sich die „Kraft und Gabe der Frauen“ (QA Nr. 99) voll entfalten. Gerade auch auf Feldern, die ihnen bisher in der katholischen Kirche verschlossen waren. Dies ist kein Reduktionismus, sondern das Gegenteil davon.

Der Reduktionismus des Papstes

Ausserdem genügt Papst Franziskus mit seinem Vorwurf des Reduktionismus seinen eigenen Anforderungen nicht. Denn er macht genau das, was er anderen vorwirft: Er reduziert die Rolle der Frauen in der Kirche auf bestimmte Aufgaben. Nämlich auf Aufgaben ausserhalb der Weiheämter wie in der klerikalen Assistenz und Unterstützung. Dies ist Reduktionismus. Und der führt letztlich zu derjenigen Konsequenz, die der Papst den Befürworten der Frauenweihe vorwirft: Für die Frauen folgt daraus eine „Verarmung ihres unverzichtbaren Beitrages“ (QA Nr. 100).

Auch den Schuh, dass es untunlich sei, die Kirche in „funktionalen Strukturen“ zu denken (QA Nr. 100), muss sich der Papst selbst anziehen. Er selbst hält mit seinem jetzt bestätigten Ausschluss der Frauen von der Weihe an den tradierten „funktionellen Strukturen“ fest. Diese Strukturen hat die Kirche selbst geschaffen. Wer Frauen bei der Weihe inkludieren will, denkt nicht mehr oder weniger „funktions-strukturell“ als derjenige, der sie exkludiert. Mit dem nun bestärkten pauschalen Ausschluss der Frauen von der Weihe macht Franziskus deutlich, dass er selbst sein „Verständnis von Kirche auf funktionale Strukturen reduziert“ (QA Nr. 100). Er verengt – entgegen seinem eigenen Anspruch – seinen Blick auf diese Strukturen. Er wirft anderen vor, was er selbst tut.

Reduktionismus ist der päpstliche Frauenausschluss auch im unmittelbaren Sinn des Wortes. Indem die Kirche Frauen von der Nachfolge Christi pauschal ausschliesst, reduziert sie von vornherein die Zahl der Talente für die apostolische Nachfolge Christi um 50%. Damit behindert die Kirche die Umsetzung von Gottes Heilsplan. Besonders schmerzlich dabei ist: Christus hat alles – nämlich sein Leben – gegeben. Die Kirche hingegen tritt beim Priestertum nur mit halbem Potential für den Glauben ein.