Querida Amazonia II: Eine Verhöhnung der Frauen?

16. April 2020

Papst Franziskus stellt seine Ausführungen zur Abweisung der Frauenweihe in Querida Amazonia unter die Überschrift „Kraft und Gabe der Frauen“. Seine Argumente sind nicht überzeugend. Und sie lassen – trotz lobender Eingangsworte – Respekt und Empathie gegenüber Frauen vermissen. Schauen wir uns den Schwerpunkt seiner Ausführungen an.

Papst Franziskus befürchtet, dass die Zulassung der Frauen zur Weihe „auf eine Klerikalisierung der Frauen hinlenken würde“ (QA Nr. 100). Das verblüfft. Wie kann es sein, dass die Kombination aus Frauen und Weihe die Klerikalisierung – also die Entstehung des Klerikalismus – begünstigt? Und damit einen Missstand, den Franziskus selbst als grosses Übel und Ursache für das kirchliche Missbrauchsgeschehen ausgemacht hat?

Sucht man darauf eine Antwort, so könnte es entweder an der Weihe liegen oder an den Frauen. Dass es an der Weihe liegt, dürfte Franziskus nicht annehmen. Damit würde er das Sakrament der Weihe selbst als problembringend ansehen. Da ausserdem Männer gleichermassen davon betroffen wären, wenn die Weihe nicht gut tut, würde diese Sicht einen Frauenausschluss nicht rechtfertigen. Aber wenn es nicht an der Weihe liegt, kann es nur an den Frauen liegen.

Damit begibt sich Franziskus auf sehr dünnes Eis. Der gerade auch von Franziskus selbst kritisierte Klerikalismus in der katholischen Kirche ist schliesslich ein reines Männerprodukt. Und nun behauptet der führende Vertreter dieser Männerkirche, dass Frauen diesen Missstand begünstigen? Oder sollen sie nur vor einer Deformation bewahrt werden, die Männer als Priester erleiden – eine Bevormundung zum Selbstschutz? Selbst wohlmeinende Menschen werden darin Paternalismus erkennen, eine subtile, aber besonders entwürdigende Form sexueller Diskriminierung. Anders als Männern wird Frauen das Recht verweigert, selbst darüber zu bestimmen, wie sie Christus folgen und dienen.

Diese paternalistische Diskriminierung ist beileibe kein rein kirchlicher Missstand (Vorgesetzter: „Ihre Verdienste sind so offenkundig und anerkannt, da brauchen Sie die neue Position nicht zur Bestätigung. Oder wollen Sie so machtbesessen werden wie die Männer?“). Aber in der Kirche schmerzt sie um so mehr. Und gerade angesichts der geäusserten Wertschätzung der Frauen (QA Nr. 99) werden viele Menschen die Worte von Franziskus als Verhöhnung empfinden. Oder als ein vergiftetes Lob.