Mit 94 Jahren ist die katholische Priesterin Ludmila Javorová am 17.9.2026 in einem Hospiz im tschechischen Rajhrad, nahe ihres Geburts- und langjährigen Wohnortes Brünn gestorben.

„In meiner Sehnsucht, Priesterin zu werden, sah ich nichts Aussergewöhnliches“, Ludmilla Javorova 2011

Ein letztes Vermächtnis ihres mutigen Lebens bleibt: In der Ende 2026 im Herder-Verlag erscheinenden Publikation „Theologinnen Generation 60plus“ wird sie zu Wort kommen. Dort erfolgt eine Abdruck ihres Interviews „In Stille und Schweigen“, das in dem 2011 erschienenen Buch „Die verratene Prophetie“ zu finden ist. Noch kurz vor ihrem Tod hatte sie – im ungebrochenen Einsatz gegen die Frauendiskriminierung in der katholischen Kirche – dazu ihr Einverständnis gegeben.

Ludmila Javorova arbeitete anfangs als Seelsorgerin und später als Assistentin von Bischof Felix Davidek. Er war während der Zeit der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei, die christliche Religionsausübung verboten hatte und verfolgte, Mitglied der vom Vatikan legitimierten tschechischen Untergrundkirche und Bischof von Brünn.


Grab des Bischofs Felix Davidek mit Bischof Jan Blaha

Um die Seelsorge verfolgter Christen insbesondere in den Frauengefängnissen zu ermöglichen, entschloss sich Bischof Davidek trotz erhebliche Widerstände innnerhalb der Untergrundkriche, ab 1970 Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Zu diesen etwa 6 Frauen zählte Javorova, die später seine Generalvikarin wurde. Unter Geheimhaltung und in dauernder Gefahr, entdeckt zu werden, hielten die Priesterinnen und Priester sowie die über 20 Bischöfe der Untergrundkirche Seeelsorge und christliches Glaubensleben aufrecht.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 ermöglichte der Vatikan den männlichen Priestern ein weiteres Wirken in der katholischen Kirche. Den Priesterinnen wurde hingegen unter Androhung der Exkommunikation päpstlich verboten, öffentlich Messen zu lesen. Javorova fügte sich diesem Verbot und wurde nicht exkommuniziert. Darunter, dass sie sich „wie zur Zeit der kommunistischen Verfolgung als Priesterin verstecken“ musste, hat sie Zeit ihres Lebens gelitten.

Als einzige der Priesterinnen hat sich Javorova 1995 zu ihrer geheimen Weihe zur Priesterin bekannt. Sie wurde damit zu einem Vorbild und zur Inspiration für viele Frauen, die im Priestertum ihre Berufung sahen und sehen, beispielsweise die Donau Sieben und die Mitglieder der Association of Roman Catholic Women Priests (ARCWP) unter der Leitung der Bischöfin Bridget Mary Meehan.

Eine späte Genugtuung erfuhr Javorova 2011 mit der Verleihung des Herbert-Haag-Preis für die Mitglieder der tschechischen Untergrundkirche, die sich durch „mutiges Handeln in der Christenheit exponiert haben“.